Dienstag, 19. Januar 2010

Meisenparty


Wenn im eigenen Leben schon nichts los ist, bereitet es doppelt so viel Freude, andere Lebewesen in ihrem aufregenden Alltag zu beobachten. Und wenn man den dann auch noch mitgestalten kann, spielt man ein bißchen Gott und die Welt ist bunt, oder so ähnlich. Jeder fängt mal klein an, und nachts sind alle Katzen grau. Die Meisen vermutlich auch, aber die kommen doch nur tagsüber an meinen Balkon, um sich an den Meisenknödeln, die wir liebevoll im Baum und an den traurigen Resten der abgeernteten grünen Lieblingspflanzen drapiert haben, gütlich zu tun. Von bulligen Kohlmeisen über blaue Blaumeisen und winzige Sumpfmeisen bis hin zu artistisch begabten Schwanzmeisen ist alles dabei. Und manchmal sind auch ein paar Finken da, und Spatzen auch, aber die scheinen zu doof für dieses Buffet. Letztes Jahr wurden insgesamt drei Knödel von unterschiedlichen Krähenvögeln geklaut. Diesen Winter wird die Idylle nur von Hausmeistergehilfen bedroht, die meinen Balkon heraufklettern, um das wacklige Geländer zwecks Erneuerung zu vermessen. Ich selbst bin im Sommer auch schonmal zum Balkon hochgeklettert, als ich mich ausgesperrt und alle Schlüssel auf dem Küchentisch liegengelassen hatte. Eigentlich fast beunruhigend, wie leicht man praktisch in meine erweiterte Wohnung kommt. Aber nur fast; ich mache Winterschlaf in meinem Nest unter dem Dach und niemand wird mich daran hindern.

Liebe Grüße,
eure Caro