Heute stehe ich schon um halb acht auf. Frisch, munter und motiviert gehe ich einem ersten langen Unitag nach langer Zeit entgegen. Ich werde mich den ganzen Tag meiner akademischen Bildung widmen, meinen Horizont erweitern und zwischendurch höchstens ein paar Sonnenstrahlen abgreifen gehen. Säuberliche Notizen und mein wacher Blick werden mich begleiten, ich werde 20 neue Mitstudierende kennenlernen und die spannendsten Referatsthemen samt bewundernder Blicke der Professoren ergattern. Und wenn ich spätabends schließlich nach Hause komme, gibt es nur noch Salat, Dusche und Mommsen-Lektüre zur guten Nacht.----
Gegen halb zehn schaffe ich es, aus dem Bett zum Klo zu rollen. Knapp pünktlich schlurfe ich ins Historische Seminar, durch den Qualm der Raucher vor der Tür in den Qualm des Übungsraums 1 mit der stinkenden Lüftungsanlage. Die immer gleichen langweiligen Pappnasen stieren den Professor teilnahmslos an, der uns trockenst detalliert mit dem Semesterplan vertraut macht. Jeder versucht, möglichst wenig Arbeit für sich herauszuschinden. In den nächsten sechs Stunden werden die Lüfte immer schlechter, die Gesichter immer leerer und die Fragen immer dümmer. Warum sollte es dieses Jahr auch anders sein. Ich döse vor mich hin und träume dem unverdienten Feierabend-Döner vorm Fernseher entgegen. Und kann mich glücklich schätzen, von meinen Mitbewohnerinnen wenigstens noch zur Biervernichtung die Treppe runter getrieben zu werden, bevor ich der Misere ein Ende setze und das Bett mich endlich wiederhat. So ein schöner akademischer Tag!
1 Kommentar:
hach, süßes studentenleben!
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