Auch wenn dieses Eingeständis fürchterlich schmerzt, muss ich Paul beipflichten und mich endlich zu einem neuen Beitrag durchringen, in der Hoffnung, ein wenig Zerstreuung zu finden und mich wieder einmal im sehr weiten Feld des Schwachfugs zu verlieren.Heute habe ich mich zum allerersten Mal ein bisschen ernsthaft mit dem Lernen für das sehr, sehr, sehr, zu bald anstehende Abitur beschäftigt. Drei Stunden Mathekurs, plus eineinhalb Stunden Lektüre der Lektürehilfe zu Schillers "Kabale und Liebe", plus unzählige Minuten, die ich intensiv mit der Erschaffung einer kleinen, langsamst kriechenden, noch kontrollierbaren, aber in zu naher Zukuft sicher unberechenbaren Panik verbringen durfte - eine wahre Freude. Allein ich lerne mit den Schülerlektürehilfen von Klett, deren Qualität besonders durch die Nichtempfehlung von Frau Dehé gewinnt. Übrigens sind Ferien und die Sonne scheint. Welch Glück, dass ich ausreichend intellektuelle Beschäftigung für ein ganzes Jahr Ferien geboten bekomme, beziehungsweise mich selbstständig mit selbiger versorgt habe. Wahrlich ist der einzige Wermutstropfen, den ich in diesen wunderschönen, arbeitsamen, produktiven und geistig ertragreichen Wochen bitter schlucken muss, der dreiwöchige Verzicht auf die Dienstagabendproben des Motettenchors. Dies ist um so trauriger, als ich in dem schröcklichen Zustande der Gewissheit leben muss, die künftigen Proben, bei welchen ich zugegen sein werde können, fast an den Fingern zweier Hände abzählen kann. Eine traurige Wahrheit, die ich verdrängen könnte, wäre ich Lady Milford. Gegen diese und das gesamte Werk, indem sie intrigiert und leidet, beginnt in mir ein verständlicher, aber unpraktischer Hass unaufhaltsam zu wachsen; wie ich mich auf den Moment freue, indem ich das dunkelgrüne Hamburger Leseheft und das rosa-mintgrüne Klettbuch aus der erschöpften Hand legen kann und mich erfreulicheren Dingen wie Effis feuriger Affäre mit dem adretten Major widmen kann... So viel Spaß für wenig Geld.Liebe Grüße,eure Caro
Montag, 2. April 2007
Montag, 5. März 2007
Frühling im Schlosspark
Gestern war Sonntag. Sonntag dürfen wir immer ausschlafen. Aber gestern nicht. Sonntag war aber trotzdem. Um 8.47 Uhr quälte ich mich aus meinem Bett und erschrak im Bad erst einmal ordentlich, als ich in meinem Gesicht die Spuren des vergangenen Abends und der Nacht mit der Mondfinsternis in Form von tiefen Augenringen erblicken musste. Trotzdem widerstand ich dem unbeschreiblich großen Drang, in mein wunderbares Bett zurückzukehren, und weckte Eva. Die eigentlich schon wach war. 28 Minuten später trafen wir unsere beiden Lieblingstrottel Paul und Adrian vor dem Internat und machten uns auf den weiten und beschwerlichen Weg zum Bahnhof. Denn mit dem Besuch der Bildungsmesse "Horizon" im Stuttgarter Haus der Wirtschaft hatten wir uns für diesen schönen Sonntag viel vorgenommen. Nach einer lauten, stinkigen Zugfahrt, bei der wir uns gegenseitig regelmäßig unsere große Müdigkeit versicherten, kamen wir am hübschen Stuttgarter Hauptbahnhof an und traten unsere geheime Mission an, den wahren Grund, weshalb wir unseren gesunden Sonntagsschlaf der Großstadt widmeten: Die Suche nach einem Ort der Ruhe und des Friedens, der Sonne und vor allem des Frühstücks. Wir irrten eine wahrlich erstaunliche Weile durch die Königsstrasse und einige Seitensstraßen, bis wir im Café Treppe an der großen Treppe landeten. Dort hatten wir viel Spaß mit zweimal Frühstück Paris und zweimal Rom; anschließend gönnten wir uns einen Antipasti-Käseteller und eher zufällig eine Flasche Mineralwasser für 5,90€. Ganz kurz besuchten wir anschließend die Bildungsmesse, die zwar nicht spannend, aber für den recht kurzen Aufenthalt ertragreich war (fünf Kugelschreiber, ein Druckbleistift, ein Merci, Kaugummi und haufenweise Altpapier nur für mich...). Und dann zog es uns in den Schlosspark, zu Enten und Schwänen und Hunden und Wiese und Sonne und dem sehr grünen Tümpel. Beim Genuss des Aufgezählten erhielten wir ordentlich Dreck auf den Mänteln gratis und hatten viel Spaß, doch auch unser Ausflug ins echte Leben hatte bald ein Ende. Auf des Rückfahrt nach Gmünd entdeckten wir noch die Faszination des Zugfensters in geöffnetem Zustand sowie die Angst, sich den Kopf von einem vorbeirasenden Mast abschlagen zu lassen.Ui, das ist jetzt aber sehr lang und eher langweilig geworden, aber das liest ja niemand außer höchstens den Dreien, die sowieso dabei waren, und die werdens mir verzeihen, oder eben auch nicht. Jedenfalls war ich heute sauer, weil viel schlechteres Wetter war als gestern.
Liebe gelangweilte Grüße,
eure Caro
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